Fakten zum Hachelbach und zur Kraftwerksplanung

Ergänzungen zum Artikel "Der stille Tod eines Wasserfalls"

in der SZ vom 14.3.2002, Bayernteil

Hallo, liebe SZ!

Seit wann hat die SZ es nötig, ohne sorgfältige Recherche Stimungsmache zu betreiben?

Vom "stillen Tod eines Wasserfalls" wird geredet, ohne Fakten für solch eine Schlagzeile im BILD-Stil zu nennen. Hätte sich Ihr Autor die Mühe gemacht, die Planungsunterlagen und die beiden Gutachten von renommierten Wissenschaftlern zu lesen, wüßte er, dass die Prognose, aufgrund der durchgeführten Studien, die zu erwartenden Veränderungen im Ökosystem als eher gering einschätzt. Er hätte weiterhin erfahren, dass nur eine von 9 Teilquellen überhaupt angezapft wird, 8 weitere füllen weiterhin den Bachlauf. Der Blick in die Vergangenheit der Nutzung des Baches würde ergeben: er wurde jahrzehntelang als Trinkwasser, in stärkerem Umfang als jetzt geplant, genutzt.

Ich schätze an der SZ, dass sie Hintergründe recherchiert - warum unterbleibt das hier?

Zu erfahren wäre dann, dass die CSU-Fraktion im Gemeinderat das Projekt, dem sie vorher schon zugestimmt hatte, jetzt bekämpft und eigentlich den Bürgermeister (der freien Wähler) meint. Jedenfalls profilieren sich unsere Schwarzen hier erstmals als Vorkämpfer für die Ökologie - bei der Befürwortung von Schneekanonen im Spitzing vermissen wir ihr Herz für die Natur! Welcher Partei der "betroffene Almbauer" wohl angehört? Bis vor kurzem hatte er nichts gegen das Kraftwerk einzuwenden.

Noch ein unerwähnter Hintergrund: Das Kraftwerksprojekt ist quasi ein Abfallprodukt des Baus einer neuen Wasserleitung, in der die Gemeinde Trinkwasser vom Tal zu den Hotelkomplexen am Spitzingsee 300 m hoch pumpen muß, da der Wasserverbrauch dort oben, mitten in der einst unberührten Natur, die bisher ausreichenden Quellen überfordert. Das ist der eigentliche ökologische Wahnsinn (1), gegen den sich aber die Gemeinde aufgrund des Versorgungszwanges nicht wehren kann. Durch das geplante Kleinkraftwerk wird der für die Wasserpumpe nötige Strom erzeugt - zumindest ein ökologisch sinnvolles Trostpflaster, wenn schon dem naturzerstörenden Tourismus am Spitzingsee so wenig Einhalt geboten werden kann.

Als Anwohner des Baches (und als Kandidat auf der Liste der Grünen zur Gemeinderatswahl) liebe ich unseren Wasserfall sehr. Wir haben uns in Josefstal daher auch ausführlich über ihn kundig gemacht. (Die Ergebnisse unserer mehrmaligen Gewässergüteuntersuchung finden Sie unter www.josefstal.de/studienzentrum/umgebung/hachel.htm)
Als Munition für parteipolitische Grabenkämpfe und die Profilierung von Verbandsfunktionären ist er zu schade.

Wolfgang Schindler

(1) ganz zu schweigen von der autobahnähnlichen Spitzingstraße zu den Großparkplätzen auf den ehemaligen Almwiesen; diese wird im Winter mit Tonnen von Salz schneefrei gehalten, um die Hotelanfahrt mit Sommerreifen zu ermöglichen.


Dieser Leserbrief bezieht sich auf einen Artikel von Christian Schneider in der SZ vom 14.03.02 mit dem Titel

Der stille Tod eines Wasserfalls

Schneider schrieb:

"Weite Teile Bayerns sind bei ihrer Wasserversorgung auf das "lebensnotwendige Nass" aus den Bergen angewiesen. Deswegen, so hat Umweltminister Werner Schnappauf kürzlich zum Auftakt des Internationalen Jahres der Berge in der Münchner Residenz eindringlich gefordert, sollten die Gemeinden in der Alpenregion pfleglich mit Natur und Wasser umgehen. Da haben die Festgäste genickt und der Beifall war groß. Doch nun dürfte dem Minister die Zornesröte ins Gesicht steigen. Denn in Schliersee im Landkreis Miesbach wird gegenwärtig intensiv über den Bau und den Betrieb einer Kleinwasser-Kraftanlage am Hachelbach diskutiert. Die Mehrheit der Gemeinderäte scheint wild entschlossen, das Projekt trotz erheblicher Einwände und Proteste durchzuziehen.

Nicht nur der Bund Naturschutz (BN), sondern auch der Landesbund für Vogelschutz (LBV), der Landesfischereiverband und auch ein direkt betroffener Almbauer laufen Sturm gegen das Projekt. Sie alle befürchten, dass der Hachelbach zu einem kümmerlichen Rinnsal verkommt, wenn die Gemeinde ihre Kraftwerkspläne verwirklicht. Der Hachelbach, das muss man wissen, speist die Josefstaler Wasserfälle, die als einzigartiges Natur-Juwel gelten. Bleibt im Hachelbach künftig das Wasser aus, gibt es auch keine Josefstaler Wasserfälle mehr.

So jedenfalls warnen die Naturschützer. Aber auch die Regierung von Oberbayern hat massive Einwände geltend gemacht. Denn der obere Teil des Hachelbachs, so mahnt die Bezirksregierung in einem Schreiben, liege "unverbaut und nahezu unbeeinflusst" in einem Landschaftsschutzgebiet. Und die Behörde stellt klar, der Hachelbach sei ein "naturschutzfachlich äußerst wertvolles Gewässer und ein gesetzlich geschütztes Biotop". Naturteile dieser Art seien nur noch sehr selten und würden als "stark gefährdet" auf der Roten Liste geführt.

Nach erster Prüfung der Schlierseer Kraftwerkspläne ist die Regierung überzeugt, "dass die Reduzierung im Gewässersystem (Anm.d.R.: des Hachelbachs) voraussichtlich nicht ohne jede Beeinträchtigung der Ökologie möglich ist." In das Bachsystem sollte deswegen nur dann eingegriffen werden, wenn dies "aus besonderen Gründen gerechtfertigt" sei. Solche besonderen Gründe kann die Regierung von Oberbayern aber nicht erkennen. Deswegen hat die Behörde schon Ende vorigen Jahres dem Landratsamt in Miesbach dringend ans Herz gelegt, das Wasserkraftwerk in Schliersee nicht zu genehmigen.

Landrat Norbert Kerkel freilich hat sich bislang noch nicht zu einem eindeutigen Nein durchringen können. Allerdings will er das umstrittene Kraftwerk zunächst nur in einem dreijährigen Probebetrieb gestatten, und zwar unter strengen Auflagen insbesondere bei der Wasserentnahme aus dem Hachelbach. Werden diese Auflagen korrekt eingehalten, müsste das umstrittene Kraftwerk an "mindestens 180 Tagen im Jahr stillstehen", hat der Landesbund für Vogelschutz ausgerechnet.

Dem haben weder die Regierung von Oberbayern noch das Landratsamt Miesbach widersprochen. Im Gegenteil: Die Behörden raten jetzt der Gemeinde, sie sollte genau überlegen, ob sich angesichts der langen Zwangspausen das Kraftwerk überhaupt lohnt und es vielleicht nicht besser wäre, das Projekt wieder in der Schublade verschwinden zu lassen.

In Schliersee aber gibt es einen ausgeprägten "Jetzt-erst-Recht- Standpunkt". Nicht ohne Grund: Die Gemeinde hat schon rund 130000 Euro in das Projekt investiert. "Auf eigenes Risiko", wie das Landratsamt stets betont hat. Beim Verzicht auf die Kraftwerkspläne hätte die Gemeinde eine kräftige Fehlinvestition zu verantworten. Nun muss der Gemeinderat - zwangsläufig - eine Denkpause einlegen, weil zwei Widersprüche gegen das Projekt eingegangen sind. Die müssen jetzt vom Landratsamt Miesbach geprüft werden. Eine Klage vor dem Verwaltungsgericht ist so gut wie sicher. Und auch das Umweltministerium dürfte das Projekt nicht kalt lassen."


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